Artikel in BuchMarkt vom 01. Oktober 2022

Die Zeiten werden immer schneller – die Medien werden immer oberflächlicher. Zugegeben: Jede Art von ernsthafter, seriöser inhaltlicher Botschaft hat es inzwischen schwer angesichts des permanenten Zeit- und Finanzierungsdrucks, aber auch angesichts vieler Menschen, die einfach nur ein wenig unterhalten werden möchten, weil sie sich auf Anspruchsvolleres einfach nicht mehr konzentrieren können oder wollen. Da kommen wir „Büchermacher“ mit unserer Verantwortung ins Spiel – sei es als Verlag, als Agent oder als Buchhändler, verlegerisch-herausgebend, begleitendvermittelnd oder beratend-verkaufend.

Als Literaturagent werde ich oft gefragt, warum ich auch „Promi-Bücher“ betreue. Diese spiegelten doch nur unsere Konsumgesellschaft, deren Bücher seien doch oft nur Selbstbeweihräucherungen inkl. unwichtiger Lebensdetails. Die Kritiker haben oft Recht: Solche Nabelschauen müssen wir wirklich nicht lesen. Wenn schon Prominente im Buch, dann nachdenklich-reflektiert, als „echte“ Menschen, mit Stärken und Schwächen, empathisch, authentisch, durchlässig.

Nehmen wir als Beispiel das „Outing“ – Buch der Schauspielerin Fiona Coors. Sie ringt auf eine ehrliche, sehr menschliche und emotionale Weise mit einem weit verbreiteten Phänomen: ihrer Legasthenie, die sie seit Kindheitstagen und bis heute belastet. Aber sie hat mit ihr zu leben gelernt; letztlich hat sie aus diesem Handicap ihre ureigene Kraft und Kreativität geschöpft. Auch Promis müssen mit Ängsten und Schwächen, mit Unsicherheit und traurigen Lebensphasen umgehen, mit Alltagsproblemen, die in unserem Land millionenfach vorkommen, aber immer noch oft tabuisiert werden. Ihr Buch zeigt: Niemand sollte sich für eine Krankheit, Behinderung, seine Besonderheit oder individuelle Begabung schämen und in seinen Lebenszielen behindern lassen. Fiona Coors macht Mut, voller Energie das Beste auch aus solchen Voraussetzungen zu machen. (Fiona Coors, Darf ich vorstellen: Legasthenie. Die Rolle meines Lebens, Kamphausen Media)

Oder, gerade erschienen: die wunderbare Biografie von Bundestrainer Hansi Flick, die ich ebenfalls betreuen durfte. Eigentlich gar keine Biografie, sondern eine authentische, ehrliche Momentaufnahme: Nachdenkliches über sein Leben, seine Arbeit, seine Beziehungen, sein Verhältnis zur Arbeit, zur Leistung und zum Teamgedanken, seine mentalen Einstellungen. Als ich Hansi Flick zum ersten Mal begegnete, kam er auf mich zu, schaute mir in die Augen und sagte: „Hallo, ich bin der Hansi!“. Flick ist ein Typ, inzwischen weltbekannt, mit riesigen Erfolgen, geschätzt und bewundert – aber auch ein ganz normaler Mensch, einer, der zuhört, der in Gesprächen und Begegnungen lernt, jemand, auf den man sich verlassen kann. Sein Buch bezeugt all dies: Großes leisten, Menschen führen, Siege feiern, und dabei doch so völlig normal bleiben. Seine in letzter Zeit sehr klaren Aussagen zur Situation in Katar dürften Flicks Glaubwürdigkeit zusätzlich stärken. Einer wie er wird niemals in den Verdacht einer Selbstinszenierung kommen: „Ich bin auch als Cheftrainer bei Bayern München gut damit gefahren, mich so zu geben, wie ich bin.“ Allein dieser Satz empfiehlt das Buch des zwar prominenten, aber eben auch ganz normalen Menschen Hansi Flick. (Hansi Flick / Jonathan Sierck, Im Moment: Über Erfolg, die Schönheit des Spiels und was im Leben wirklich zählt, Riva Verlag)

Was heißt das für mich als Agent? Ich berate und vermittle alle guten Autor:innen, prominent oder nichtprominent. Was drin steht, zählt. Kompetenz und Glaubwürdigkeit auf der einen, Wissenszuwachs und Lebenshilfe auf der anderen Seite. So hat unsere Branche eine gute Zukunft.

Klaus Altepost, Inhaber der „Agentur Altepost 2015“ (www.agentur-altepost.de)

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